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The Olympic Idea

Baron Pierre de Coubertin
Baron Pierre de Coubertin

(German Brockhaus, original article) Die olympische Idee ist untrennbar mit der Person Baron Pierre de Coubertin verbunden, der stets vorrangig Pädagoge war. In den Olympischen Spielen sah er weder einen Selbstzweck, noch bestand ihr wichtigster Sinn für ihn im Erbringen großer sportlicher Leistungen. Vielmehr betrachtete Coubertin sie als Mittel zur Verwirklichung seiner pädagogischen Ziele.

Seinen Anspruch, "Feste (schaffen zu wollen), die alle vier Jahre für die Jugend der ganzen Welt, für den 'menschlichen Frühling' veranstaltet werden" und "neben der Entwicklung des Leibes das Werk moralischer Vervollkommnung und sozialer Befriedigung weiterführen sollten" (A. Höfer), entlieh Coubertin den antiken Festspielen. Er wollte, dass die vermeintlichen Ideale des Altertums, die sich für ihn in besonderer Weise in den Olympischen Spielen ausdrückten, zu neuen Erziehungszielen der Gegenwart erhoben werden. So verstand Coubertin in diesem Sinne die modernen Spiele ausdrücklich als religiös: "Das Hauptmerkmal des alten wie des neuzeitlichen Olympismus ist, dass er eine Religion darstellt", eine "religio athletae" (H. Lenk). Für Coubertin war der Sport einerseits "eine Religion mit Kirche, Dogmen, Kult...", andererseits deutete er diesen religiösen Charakter um, indem er ihn durch Internationalismus und Demokratie verwandelte und steigerte. Dessen ungeachtet war Coubertin der Meinung, auch das moderne Olympia müsse ein "heiliger Bezirk" sein, - wie im Altertum - "allein dem geweihten, gereinigten Athleten... vorbehalten". Auf diese Weise sei der Sportler "eine Art Priester geworden, indem er die Messe der Muskelreligion hält".

Das zweite Charakteristikum der olympischen Bewegung sah Coubertin darin, "dass er Adel und Elite bedeutet; aber ... ein Adel, der auf ... völlig egalitärem Ursprung beruht, denn er wird nur durch die körperliche Überlegenheit des Einzelnen, seine körperlichen Möglichkeiten, die bis zu einem gewissen Maße durch seine Trainingsbereitschaft vervielfacht werden, bestimmt". Das Prinzip der Auslese ist folglich für Coubertin mit dem Prinzip der Gleichheit verbunden, das jedem, unabhängig von Herkunft, Rasse oder sozialem Stand, gleiche Bedingungen und Bewertungskriterien garantiert. So könne eine sportliche und moralische Elite ermittelt werden, deren tadelloses Auftreten in der Öffentlichkeit jungen Athleten als Vorbild dienen sollte.

Das alleinige Erziehen sportlich-technischer Leistungseliten war für Coubertin nicht genug: "Diese Elite muss eine Ritterschaft sein. Ritter sind in erster Linie Waffenbrüder, mutige, energiegeladene Menschen, die nicht nur durch Kameraderie verbunden sind..., sondern auf ihr liegt beim Ritter noch der Wettkampfgedanke.. des ritterlichen und doch mit Gewalt geführten Kampfes". Der Geist des Fairplay und der Ritterlichkeit, die Beachtung der sportlichen Regeln sowie die gegenseitige Achtung der Gegner waren gleichzeitig die einzigen Kriterien, die dem ungehemmten Rekordstreben - ein weiteres Charakteristikum der olympischen Idee Coubertins - eine Grenze setzten.

Coubertin vertrat weiterhin die Auffassung, dass Athleten "ungehemmte Freiheit" brauchen, man könne den Sport nicht "zaghaft" oder "maßvoll" ausüben, in der "Freiheit seines Austobens" stecke seine anziehende Kraft und sein Daseinsrecht. Die Unvereinbarkeit der Leistungselite und des Leistungssports allgemein mit Maßhalteappellen drückt sich im Wahlspruch der Olympischen Spiele "citius, altius, fortius" (schneller, höher, weiter) aus. Coubertin rechtfertigt zwar einerseits Rekord und Höchstleistung mit ihrer vorbildsetzenden Kraft und damit pädagogischen Wirkung, widerspricht sich andererseits aber, wenn er der Postulierung des Rekordgedankens gegenüberhält, "das Wichtige bei den Olympischen Spielen sei nicht der Sieg, sondern die Teilnahme". Ebenfalls aus der Antike leitete Coubertin seine Überzeugung von der erzieherischen Wirksamkeit der Olympischen Spiele und der Absicht, Kunst und Geistesleben wesentlich am olympischen Fest zu beteiligen, ab: "Kann man das Fest des menschlichen Frühlings feiern, ohne den Geist einzuladen ? Daraus entsteht die wichtige Frage nach dem gegenseitigen Verhältnis von Geist und Körper, das im sinne einer Zusammenarbeit und Allianz umgestaltet werden muss. Natürlich überwiegt der Geist; die Muskelkraft muss sein Diener bleiben, aber unter der Bedingung, dass es sich um die höchsten Formen künstlicher oder literarischer Creation handelt...". Auch die moderne olympische Bewegung sollte in den Augen Coubertins ein Erziehungsideal verkörpern und Vorbildfunktion entwickeln. In Anlehnung an die Kalokagathie (=körperliche und geistige Vollkommenheit als Bildungsideal im alten Griechenland) sollte das Leitbild dabei der "männliche Einzelkämpfer" sein, dessen Streben nach der sportlichen Höchstleistung mit dem Bemühen um menschlich-moralische Vollkommenheit einhergeht.

Coubertin wollte erreichen, "dass die Zuschauer nur noch die sportlichen Leistung applaudieren, völlig losgelöst von nationalen Präferenzen". Alle nationalen Regungen sollten "Burgfrieden halten, oder, wenn man so will, auf Urlaub geschickt werden". Die Idee des Burgfriedens, ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der olympischen Bewegung, ist eng mit der Idee der turnusgemäßen Durchführung der Olympischen Spiele (mit "astronomischer Regelmäßigkeit") verbunden.

Die Aufnahme des Friedensgedanken und des Gedankens der Völkerverständigung als weiteres zentrales Erziehungsziel der modernen olympischen Bewegung bedeutete einen wesentlichen Unterschied zu den antiken Spielen. Während Letztere von einem nicht nur ausgesprochen nationalen, sondern sogar ausgrenzenden Charakter geprägt waren, sollten die modernen Spiele allen Völkern und Nationen offen stehen und diese zusammenführen. Coubertin lehnte nationale Elemente nicht völlig ab; er verknüpfte diese geschickt mit internationalen Elementen zu einem neuen, tragfähigen Konzept. So sollten die Olympischen Spiele keineswegs dem Konkurrenzdenken der Völker und deren Drang nach nationaler Selbstdarstellung entgegenwirken, sondern zu einer Befriedigung der natürlichen Auseinandersetzung beitragen. Der sportliche Wettkampf sollte zwar ernsthafter Kampf sein, aber gleichzeitig eine neue Form geregelter und gewaltfreier Konfliktlösung darstellen.

Auch wenn Coubertin im "männlichen Einzelkämpfer" den wirklichen olympischen Helden sah, plädierte er keineswegs für den Ausschluss der Mannschaftssportarten. Er griff sogar zu ihrer Rechtfertigung argumentativ auf die Existenz der Altis zurück: "So fasse ich auch den modernen Olympismus auf, dass er nämlich in seiner Mitte eine Art moralischer Altis oder Gralsburg hat, wo sich die Wettkämpfer der wirklich männlichen Sportarten treffen, um ihre Kräfte zu messen, nämlich der Sportarten, die der Verteidigung des Menschen dienen und der Herrschaft über sich selbst, über Gefahren...: Turner, Läufer, Reiter, Schwimmer, Ruderer, Fechter, Ringer ... und um sie herum alle anderen Sportarten, die man eben organisieren will ... ein Fußballturnier u.a. Mannschaftsspiele etc. ... Sie kommen so auch zu ihrem Recht, aber eben erst an zweiter Stelle". Außerhalb der Altis sah Coubertin auch den Ort für eventuelle Frauenwettkämpfe, hielt jedoch mit seiner wahren Meinung nicht zurück: "Persönlich halte ich nichts von Frauensport in der Öffentlichkeit, was nicht heißen soll, dass sie sich nicht in großen Zahlen sich sportlich betätigen sollen, aber eben ohne sich öffentlich zur Schau zu stellen. Bei den Olympischen Spielen sollte ihre Rolle die sein, die sie auch schon bei den antiken Wettkämpfen hatte, nämlich die Sieger zu bekränzen."

A pertinent question is, how the pedagogical aims seen by Coubertin in the renewal of the Olympic Games have been established or are conserved up to the present. One should only recall such themes like mass media or drugs so that words like fair play or ideal have taken back seats or can be misinterpreted - or even are. But at first one should take a look at the beginnings of the first modern Olympic Games, the first Games Athens 1896.