Stockholm 1912

Die königlichen Spiele von Stockholm

V. Olympische Sommerspiele
Datum 5. Mai bis 27. Oktober
Teilnehmer 28 Nationen
2.430 Athleten
(53 Frauen)
Sportarten 16
Disziplinen 102
Schirmherr König Gustav V.
Zuschauer 327.000
 

Während sich im Laufe des Jahres im Balkan Spannungen entwickelten und sich größere Konflikte ankündigten, da die jungen Staaten in der Region der Vorherrschaft des langsam zerfallenden Osmanischen Reiches entgegenwirken wollten, hielten sich die skandinavischen Staaten an ihrer Neutralitätspolitik, was den Spielen zugute kam. Im Oktober brach der Konflikt seitens Montenegro und der Beteiligung Serbiens, Bulgariens und Griechenlands gegen das Osmanische Reich endgültig aus, und nach kurzen, gescheiterten Friedensverhandlungen Anfang des darauf folgenden Jahres kam es zum Zweiten Balkankrieg.

Schweden, vertreten durch das IOC-Mitglied Viktor Balck, bekundete sein Interesse an der Austragung der Olympischen Spiele im Jahre 1908 in London, eine Entscheidung fand jedoch erst im darauf folgenden Jahr statt, da schon vier Jahre zuvor Berlin diese Ehre versprochen wurde. Die offizielle Kandidatur Stockholms, das immerhin schon den Idrottsparken und den Östermalm-Sportpark inklusive Tennis- und Reithalle besaß und die notwendigen Gelder aus einer Lotterie, die 1,6 Mio. Kronen einbrachte, bezog, war am 18. April 1909. Doch schon drei Wochen zuvor starb der Präsident des Deutschen Reichausschusses für die Olympischen Spiele, Graf Egbert von der Asseburg, so dass die Kandidatur Berlins zurückgezogen wurde und auf dem Treffen des IOC am 28. Mai 1909 die Bewerbung Stockholms angenommen wurde. Daraufhin wurde für die schwedische Hauptstadt als das „Venedig des Nordens“ geworben, um Touristen im Hinblick auf die Spiele anzulocken, eine zweite Lotterie ermöglichte den Neubau des Olympiastadions. Es gab lediglich Proteste aufgrund des Fehlens der Sportarten Boxen und Bahnradfahren, vor allem seitens der Amerikaner und Briten, sowie Proteste Russlands und Österreich-Ungarns wegen der Teilnahme einer finnischen bzw. böhmischen Mannschaft. Im letzteren Fall einigte man sich darauf, neben der russischen bzw. österreichischen Flagge kleinere für die Finnen bzw. Böhmen zu hissen.

Das Ziel, die Spiele nicht mehr über einen Zeitraum von mehreren Monaten laufen zu lassen wie bei den vorhergegangenen Spielen (alleine die Londoner Olympiade dauerte 187 Tage an), wurde nicht verwirklicht, dafür gab es die „Olympische Woche“ vom 6. bis zum 15. Juli 1912. Coubertins Bestreben, sowohl einen zweiten Pentathlon, der bis heute als der Moderne Fünfkampf bekannt ist (lediglich die Reihenfolge der Sportarten hat sich gewandelt), als auch Kunstwettbewerbe, für die sich Coubertin schon seit 1906 einsetzte, einzuführen stieß auf Erfolg. Balck hielt sein Versprechen, Wintersportarten in das Olympische Programm durchzuführen, nicht ein, sondern argumentierte vielmehr mit den anstehenden Nordischen Spielen im Februar 1913. Das IOC lehnte den Vorschlag, jene doch vollständig in das Programm zu integrieren, ab.

Die Spiele sollten ein Ereignis für sich sein, "das menschenfreundliche Werk des gütigen Walter einer höheren Macht", so der Hofprediger des schwedischen Königs, woraufhin Coubertin erschrak. Festlegen lässt sich der Erfolg der V. Olympischen Spiele mannigfaltig: es waren Spiele kurzer Wege zu den Wettkampfstätten, erstmalig waren alle Erdteile durch Athleten vertreten, der Frauensport erfuhr einen neuen Schub durch die Teilnahme von Schwimmerinnen, Zusammentreffen olympischer Größen wie Baron de Coubertin, Viktor Balck, Carl Diem, Henri Graf de Baillet-Latour etc., also alles Persönlichkeiten, die die Olympische Bewegung ausmachten, sowie einer Verkündung einer politischen Geographie des Sports durch die Zulassung von Finnen, Böhmen und Ungarn.

Die Schweden boten somit der Welt trotz einiger kleiner Kritiken Spiele von großem Format und perfekter Organisation – rein königlich.

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Erstmalige Medaillengewinner: In dieser Olympiade hat in dem Sinne kein Land erstmalig eine Medaille...<mehr>
Medaillenspiegel
# Nation G S B
1 USA 25 18 19
2 Schweden 23 24 16
3 Großbritannien 10 15 16
4 Finnland 9 8 9
5 Frankreich 7 4 3
6 Deutschland 5 13 7
7 Südafrika (1904-1960) 4 2 0
8 Norwegen 3 2 5
9 Ungarn 3 2 3
10 Kanada 3 2 1