St. Louis 1904

Olympische Spiele wieder nur Anhängsel der Weltausstellung

III. Olympische Sommerspiele
Datum 1. Juli bis 23. November
Teilnehmer 12 Nationen
682 Athleten
(6 Frauen)
Sportarten 18
Disziplinen 95
Schirmherr Alice Roosevelt (Tochter des Präsidenten)
Zuschauer 250.000
 

Schon früh war beschlossen, dass die 3. Olympischen Spiele in den USA, das sich zu der stärksten Industrienation der Welt entwickelt hatte und sich dessen Einwohnerzahl durch Immigration in knapp vierzig Jahren mehr als verdoppelte, stattfinden sollte. Für die Ausrichtung bekundeten Buffalo, St. Louis und Chicago, nach New York die zweitgrößte Stadt, Interesse. Letztere wollte diese mit ihrer 100-Jahresfeier nach Gründung verbinden und die Bevölkerung sammelte für das IOC eine "Spende" in Höhe von 120.000 $. Am 22. Mai 1901 hieß die Entscheidung des IOC tatsächlich auch Chicago, Schirmherr sollte der US-Präsident William McKinley werden, der jedoch am 14. Dezember desselben Jahres durch ein Attentat am 6. September verstarb. Sein Nachfolger wurde Theodore Roosevelt, ein Freund Coubertins.

Das Stadion von St. Louis
Das Stadion von St. Louis

St. Louis wollte indes 1903, 100 Jahre nach Verkauf von Louisiana an die USA, die Weltausstellung "Louisiana Purchase Exposition" begehen, die jedoch auf 1904 verschoben werden musste. J.E. Sullivan, Sekretär der American Athletic Union (AAU) und des Amerikanischen Olympischen Komitees, gewann D.R. Francis, den Direktor der Ausstellung, mit der Idee, die Spiele doch im Rahmen dieser Ausstellung durchzuführen. Er richtete sich dabei an Coubertin, dass die Spiele wirklich als solche stattfänden und wertvolle Preise den Sieger ausgehändigt werden würden. In Absprache mit Roosevelt stimmte das IOC am 23.12.1902 fast eindeutig für St. Louis ab. Coubertin selbst war frustriert von dieser Entscheidung, reiste nicht zu der Weltausstellung, sondern verbrachte die Tage in Bayreuth. Doch wie die Amerikaner unfähig zur Organisation waren, beschrieb der Historiker David Wallenchinsky in seinem amerikanischen Standardwerk: "Präsident Roosevelt hatte sich für St. Louis ausgesprochen, und der Wechsel von Chicago war ein ärgerlicher Fehler. Die Organisatoren von St. Louis waren noch weniger kompetent als die Veranstalter von Paris. Die meisten Europäer schenkten sich die Spiele, selbst Baron de Coubertin nahm sie nicht wahr. Die Wettbewerbe verteilten sich auf viereinhalb Monate, einige wurden nur von Amerikaner bestritten."

Die ersten Schwarzafrikaner
Die ersten Schwarzafrikaner
Lentauw und Yamasami

So war es dann auch. Viele Athleten nahmen die Spiele gar nicht erst zu Kenntnis und verzichteten die Reise anzutreten. Nur acht Länder schickten aus ihrer Heimat Athleten in die USA, Österreich, Frankreich und die Schweiz waren nur von Athleten vertreten, die in amerikanischen Vereinen trainierten. Das größte Aufgebot stellten immer noch die Kanadier mit 52 Teilnehmer, die Deutschen besaßen das zweitgrößte mit 17 Wettkämpfern. An für sich waren die meisten der ca. 400 Disziplinen eine reine amerikanische Angelegenheit, so dass die meisten aufgrund ihres rein nationalen Charakters nicht als olympisch bezeichnet werden. Zudem wurden als „Olympic Games“ nur die Leichtathletikwettbewerbe vom 29. August bis zum 3. September angesehen. Ansonsten zogen sich die Wettbewerbe ähnlich zu Paris wieder über Monate hinweg. An den Spielen von St. Louis wurde zudem deutlich, dass der internationale Sport noch in Kinderschuhen steckte.

Feste Regelwerke gab es kaum, da nur wenige Sportarten auch schon international, wie das Tennisturnier vom Wimbledon seit 1877, Radsport seit 1893, Gewichtheben seit 1893 usw., ausgetragen wurden. Auch die Rolle der Frau war immer noch ungewiss, nur sechs nahmen teil. Farbige durften zum ersten Mal in diesem Jahr ran, und mit George Poage und Joseph Stadler wurden auch direkt Medaillen gewonnen. Sogar zwei Exoten mit den Zulu-Angehörigen Lentauw und Yamasami, die als Arbeiter einer südafrikanischen Messegesellschaft in St. Louis weilten, starteten im Marathonlauf. Es muss jedoch erwähnt sein, dass eine im Rahmen der Weltausstellung stattgefundene anthropologische Schau die Olympier in den Verdacht gerieten ließ, rassistisch zu sein. Die oben genannten Sportler zeigten jedoch, dass derer nicht so war.
Ansonsten bleibt das Resümee, dass die Spiele erneut nur als Anhängsel der Weltausstellung, die von knapp 20 Millionen besucht wurde, endeten und bald endgültig in deren Tiefen unterzugehen drohten.

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Medaillenspiegel
# Nation G S B
1 USA 80 84 84
2 Deutschland 4 4 4
3 Kanada 4 1 1
4 Kuba 4 0 0
5 Österreich 2 1 1
5 Ungarn 2 1 1
7 Großbritannien 1 1 0
8 Griechenland 1 0 1
8 Schweiz 1 0 1
10 Frankreich 0 2 0