London 1908

London setzt Qualitätsmaßstab

IV. Olympische Sommerspiele
Datum 27. April bis 31. Oktober
Teilnehmer 22 Nationen
2.047 Athleten
(42 Frauen)
Sportarten 24
Disziplinen 109
Schirmherr König Edward VII. von Großbritannien
Zuschauer 300.000
 

Nachdem die Olympische Idee nach den Spielen von Paris und St. Louis, jeweils an den Rand der Weltausstellung gedrängt, schon fast dem Untergang geweiht war, wurde ihre durch die bis heute nicht offiziell anerkannten Zwischenspiele von Athen im Jahre 1906 neue Energie verliehen.
Für die darauf folgenden Spiele 1908 hatte Coubertin Rom als nächste Station vorgesehen, die auch 1903 offiziell ihre Kandidatur erklärte. Interesse an der Ausrichtung zeigten auch schon 1901 auf der Pariser Session die Deutschen, die gerne die Spiele in Berlin gesehen hätten. Sie zogen sich jedoch zurück, wobei es schon als festgemacht galt, dass Berlin für 1912 der Austragungsort der Veranstaltung sein würde. Am 22. Juni 1904 wurde Rom schließlich einstimmig nominiert, woraufhin man sich die Loyalität des Papstes sicherte. An für sich klangen die Pläne, die Vorstellungen über die Sportstätten, Sportarten und zeitliche Einteilungen nach großartigen Spielen. Doch trotz redlicher Bemühungen vor allen seitens des italienischen IOC-Mitgliedes und Generalsekretärs der Spiele Brunetta d’Usseaux wurde 1906 offenbar, dass Rom die Spiele nicht durchführen konnte. Zwei Jahre zuvor gab es zwischen Großbritannien, das seine Insel-Isolations- Politik aufgab, und Frankreich die "Entente Cordiale", ein Bündnis zur Isolation Deutschlands, welches sich 1907 durch den Beitritt Russlands zur "Triple-Entente" erweiterte. Als Ausdruck desselbigen planten beide Nationen eine gemeinsame Ausstellung in London, und als 1906 der Rücktritt Roms bekannt war, fasste Lord Desborough of Taplow die Idee auf, die abgegebenen Spiele nach London zu holen. Ende 1906 wurde diese Idee durch den Beschluss des British Olympic Councils Realität.

Auch wenn die Spiele sich wieder über Monate hinzogen, so ist festzuhalten, dass die Briten den Spielen eine Art aufsetzten, die sich bis heute gehalten hat. Der Einmarsch der Nationen, der in Athen zwei Jahre zuvor sich etablierte, verfestigte sich. Man baute das White City, ein Stadion mit 68 000 Sitzplätzen, direkt neben das Gelände der Weltausstellung. Im Gegensatz zu 1900 und 1904 aber war dieses Mal das Hauptaugenmerk auf die Olympischen Spiele gerichtet. Am 13. Juli 1908 fand dann die Eröffnungsfeier mit König Edward VII. statt. Im Stadion selbst war sogar ein Innenraum eingerichtet, wo die Schwimmwettbewerbe durchgeführt werden konnten. Mit einiger Überwindung schafften die Briten es auch, das metrische System zu verwenden, doch behielt man sich die Option offen, dass Athleten die Meter-Distanzen auf Yard bzw. Fuß erweitern könnten. Ein Segen für die Olympischen Spiele war auch die Festlegung der Regeln durch die Briten, und Coubertin ließ sie gewähren, da im IOC selbst niemand saß, der derartiges hätte zustande bringen können.
In London wurde auch wieder die Amateurfrage aufgegriffen. Eigentlich galt die Regel, nur Gentlemen dürften Sport treiben, und nicht Leute, die dafür Geld erhalten. Hier verzichteten die Engländer auf Kontrolle, acht Jahrzehnte später griff der ehemalige IOC-Präsident Samaranch diesen Amateurgedanken wieder auf, war er doch ein Aspekt Coubertins Olympischer Idee. Diesen Gedanken wollte er als den Athleten-Kodex einführen, doch mit den Tennismillionären von Seoul war dieses Vorhaben überholt.

Sir Theodore Andrea Cooke (1867-1928) war der erste Journalist, der bedeutend für die olympische Bewegung war. Dem britischen Olympiakomitee nahestehend, erarbeitete er 190 Seiten mit Wettkampfregeln für die bevorstehenden Spiele von London, u.a. entschied er, dass die Meter-Distanzen obligatorisch sein würden. Coubertin würdigte diesen Verdienst der Briten und nahm Cooke 1909 ins IOC auf. Cooke trat jedoch 1915 wieder aus, weil sich das IOC mit Coubertin weigerte, die deutschen Mitglieder (Venningen, Sierstorpff und Arnim-Muskau) als Angehörige des Kriegstreibers Deutschland auszuschließen.

Insgesamt wiesen die Olympische Spiele von London 1908 wieder in die richtige Richtung, Klärung von Amateurstatus, Limitierung der teilnehmenden Athleten pro Disziplin und Nation, Klärung der Nationenfrage (insbesondere bei Österreich-Ungarn sowie Finnland, das noch zu Russland gehörte) und vor allem feste Regelwerke verfestigten die bisher bröckelnde Basis, auf den die Spiele zuvor noch ruhten.

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Medaillenspiegel
# Nation G S B
1 Großbritannien 56 50 40
2 USA 23 12 12
3 Schweden 8 6 11
4 Frankreich 5 5 9
5 Deutschland 3 5 5
6 Ungarn 3 4 2
7 Kanada 3 3 10
8 Norwegen 2 3 3
9 Italien 2 2 0
10 Belgien 1 5 2