Athen 1906

Der "Bastard" rettet die Olympischen Spiele

Die Zwischenspiele vonAthen 1906
Datum 22. April bis 2. Mai
Teilnehmer 19 Nationen
903 Athleten
(20 Frauen)
Sportarten 12
Disziplinen 78
Schirmherr Kronprinz Konstantin von Griechenland
Zuschauer 300.000 (geschätzt)
 

Nur durch die schlechten Erfahrungen, die man 1900 und 1904 gemacht hatte, als die Spiele katastrophal organisiert am Rande der beiden Weltausstellungen von Paris und St. Louis stattfanden, kam das als die Zwischenspiele von Athen in die Geschichte eingegangenes Ereignis überhaupt erst zum Zuge. Die Athener wünschten die Spiele in einem Vierjahres-Turnus und damit zwischen den Spielen in anderen großen Städten zu sich nach Hause, zurück zu den Ursprüngen. Der Hamburger Journalist L.C. May schrieb 1935 in einem historischen Rückblick: "Die griechische Einladung, den vierjährigen Turnus zu durchbrechen und eine zehnjährige Jubiläumsfeier in Athen 1906 durchzuführen, wurde nach anfänglichen Widerstreben angenommen. Je eher die schlechten Erinnerungen mit neuen Eindrücken überdeckt wurde, desto besser mochte sich die zukünftige Entfaltung des großen Werkes gestalten." Denn Pierre de Coubertin hatte in den Jahren zuvor auf die völlig falschen Pferde gesetzt in Verkennung der französischen und amerikanischen Möglichkeiten.

Coubertin blieb im Endeffekt von den Spielen ganz fern. Hauptursache war der kleine Wettstreit um die Vergabe der Spiele 1908. Erst wollten die Deutschen, was jedoch das Letzte gewesen wäre, was Coubertin sich gewünscht hätte. Er hatte vielmehr Rom im Auge, weil die Spiele dort "mit der prächtigen, aus Kunst und Geist gewebten Toga bekleidet werden konnte." Doch die Römer hatten keinen Ehrgeiz für die Austragung, so gaben sie die Spiele Coubertin zurück und Wünsche aus Englands Richtung wurden geäußert, was einfach zuviel des Guten für Coubertin war.

Auch wenn diese Zwischenspiele von Athen Coubertin als "olympischen Bastard" bezeichnete, so waren es doch gerade die, die den olympischen Gedanken nach den fast völligen Niedergang durch 1900 und 1904 wieder hat aufleben und stärken lassen. Aus heutiger Sicht betrachtet kann man diese Spiele sogar als den Retter der Olympischen Idee auffassen. Denn die Athener haben aus den Spielen wieder das gemacht, wie 1896: einfach wunderbare Spiele. Das wunderschöne, marmorne Stadion von 1896, kunstvoll eingebettet in die Stadtlandschaft der griechischen Metropole, faszinierte Athleten wie Zuschauer, auch wenn die Laufbahn mit ihren zu engen Kurven Höchstleistungen verhinderte. May umriss die Atmosphäre folgendermaßen: "Alle Teilnehmer waren in einem Tempelbau, dem Zappeion, gemeinsam untergebracht. Man hatte in die Seitengänge Verschläge eingebaut und so äußerst einfache Unterkunftsstätten geschaffen. Die verschiedenen Mahlzeiten, die im Grunde nur eine unendliche Variation der Hammelfleischzubereitung boten, wurden in dem großen Hauptsaal eingenommen. Trotz oder vielleicht gerade wegen der Primitivität der Anlangen durchwehte die Tempelsäulen stets das hohe Lied des echten Kameradschaftsgeist."

Bei diesen Spielen wirkte man der zufälligen Teilnahme durch damals noch nicht mit Qualifikationen titulierte Auswahlverfahren entgegen. Auch gab es schon die ersten Ansätze eines olympischen Dorfes. Was sich auch zeigte, war der viel zu hoch eingeschätzte Einfluss Coubertins in seinem eigenen Land. Denn obwohl Coubertin selbst überhaupt nicht angetan war von Athen, so solidarisierten sich die Franzosen mit den Griechen. Die Deutschen traten auch mit 50 Mann an, doch nur wenige konnten wirkliche Leistungen erbringen. Gerade die Engländer und die Schweden konnten aus Athen Erfahrungen für London und Stockholm mitnehmen, die bei den vorhergegangenen Spielen nicht möglich gewesen waren.

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Medaillenspiegel
# Nation G S B
1 Frankreich 15 10 16
2 USA 12 6 6
3 Griechenland 8 15 13
4 Großbritannien 8 12 5
5 Italien 7 6 3
6 Schweiz 5 6 4
7 Deutschland 4 6 5
8 Norwegen 4 2 1
9 Österreich 3 3 3
10 Dänemark 3 2 1