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Die antiken Spiele

I. Die Epochen der Spiele

Antike Vase
Start zum Fackellauf

Die Olympischen Spiele der Antike lassen sich grob in fünf Epochen einteilen, die den Anfang, den Verlauf und den Untergang der Spiele charakterisieren.
In der ersten Epoche ringen sich viele griechische Sagen und Mythen um den Ursprung der Olympischen Spiele. Einmal habe Herakles den König Augias erschlagen, dessen Stall er durch Umleiten des Flusses Alpheios gesäubert hatte, und zur Feier des Tages Wettspiele in dem Ort Olympia gestiftet. In einer anderen Sage heißt es, dass Herakles Großvater, Pelops, um eine Königstochter warb und in einem Wagenrennen gegen den König und weitere Mitbewerber antreten musste. Der König stach die Freier beim Überholen nieder, nur Pelops hat den Wagen des Königs sabotiert, wodurch dieser zu Tode geschliffen wurde. Zukünftig habe man dann die Olympischen Spiele durchgeführt.
Zur damaligen Zeit glaubte man der Version, dass Herakles seine Brüder zu einem Wettlauf zusammenstellte und den Sieger mit einem Zweig vom wilden Ölbaum, den Herakles den Griechen aus einem fernen Land gebracht habe, bekränzte. Herakles und seinen Brüdern wurde Zeus anvertraut, dessen Tempel in Olympia steht.

Die ersten Aufzeichnungen über die Olympischen Spiele, und damit die Einleitung der zweiten Epoche, sind aus dem Jahre 776 v. Chr. gefunden worden, als die Priester von Elis begannen über die Spiele Buch zu führen. Die Ursprünge, man sehe von den Mythen der damaligen Zeit ab, sind auf die so genannten Leichenspiele in Elis zurückzuführen. Bei diesen galt es in den Wettkämpfen den Besiegten zu töten. Diese Art der „Wettkämpfe“ geriet kurzzeitig in Vergessenheit, bis Kriege die heutigen Gebiete in Griechenland heimsuchten. Der König von Elis befragte aufgrund der Notlage das Orakel von Delphi und erhielt die Weisung, dass alljährliche Freudenfeste Frieden stiften würden. Mit Hilfe eines Vertrages suchte er mit dem König von Sparta das Bündnis, und zum Zeichen ihrer Allianz ließen sie ein kultisches Fest feiern, deren Störung nicht nur die beiden Stadtstaaten, sondern auch den Zorn des Gottes aufrufen würde. Die Olympischen Spiele waren (wieder)geboren.
In der dritten Epoche von 472 bis 400 v. Chr. galt das „goldene Zeitalter“, in dessen Rahmen die Spiele ihren Glanz erhielten, der für die Wiedereinführung in der Moderne verantwortlich sein mag (siehe dort), aber auch das wahre Bild Olympias auf einen Bruchteil seiner Zeit begrenzt und die Hintergründe und schlechteren Zeit verschleiert. Ab 472 wurde die Dauer der Spiele auf fünf Tage festgelegt, deren Verlauf aufgrund des Status der Olympischen Spiele als kulturelles Fest streng geregelt war. Zu dieser Zeit nahmen auch Staatsmänner und Fürsten als Athleten teil, der berühmte Geschichtsschreiber Herodot kommt nach Olympia und liest aus seinen Werken, Pindar schreibt seine Oden auf die Sieger, Phidias schafft eines der Sieben Weltwunder: die Zeusstatue. Olympia ist zu einem kulturellen Mittelpunkt Griechenlands und des gesamten Mittelmeerraums geworden.
Auf das „goldene“ folgte bis 338 v. Chr. das „silberne Zeitalter“. Aufgrund ständiger Kriege wurden die Griechen geschwächt, konnten immer wenige gute Athleten nach Olympia bringen, und aus anderen Kolonien, wie Sizilien, Kleinasien und Afrika, strömten immer mehr herbei. Olympia wurde eine Art nationaler Wallfahrtsort.
In der letzten Epoche verkamen die Spiele, als Griechenland seine Selbstständigkeit an das sich immer weiter ausdehnende römische Reich verlor und dessen Provinz wurde. Immer mehr Berufsathleten traten an. Olympia, als Stätte eines kultischen Festes, verlor langsam an Bedeutung. Nach zwischenzeitlicher Blütezeit verbot Kaiser Theodosius die Spiele im Jahre 393 n. Chr. als heidnischen Kult.

II. Ablauf

Antike Vase
Diskuswerfer und Läufer beim Training

Schon zehn Monate vor Beginn der Spiele in Olympia, die immer in der heißesten Zeit des Jahres stattfanden, wie viele beklagten, öffnete das Trainingslager von Elis. Spätestens jedoch dreißig Tage vor Beginn mussten die teilnehmenden Athleten dort eingetroffen sein. Dieses Lager mag dem Vorbild des olympischen Dorfes gedient haben, jedoch waren die Unterkünfte zu der damaligen Zeit sehr bescheiden, und jeder Athlet erhielt die gleiche Kost. Das Training, das von den Helladoniken (Kampfrichter) beaufsichtigt wurde, war sehr hart, es begann schon vor Sonnenaufgang. Ein Philosoph bemerkte zu dieser Zeit, dass Erfolge in Olympia oder dergleichen, Fertigkeiten und Stolz erst nach „großen Leiden“ sich einstellen könnten.
Das Gelände jedoch war vielseitig. Für die Sportler standen Plätze, Laufbahnen und Gymnasion (vgl. Gymnastik, entspricht heute dem Begriff Turnhallen) für Ringer, Faustkämpfer und für die Jungen zur Verfügung, in einem Gebäude wurden den Helladoniken die Regeln erläutert und gelehrt. Zur Erholung dienten Bäder. Weiterhin gab es ein Rathaus (Buleuterion), in denen Buch geführte wurde und die Athleten in die Theorie eingeführt wurden.

Das Gelände jedoch war vielseitig. Für die Sportler standen Plätze, Laufbahnen und Gymnasion (vgl. Gymnastik, entspricht heute dem Begriff Turnhallen) für Ringer, Faustkämpfer und für die Jungen zur Verfügung, in einem Gebäude wurden den Helladoniken die Regeln erläutert und gelehrt. Zur Erholung dienten Bäder. Weiterhin gab es ein Rathaus (Buleuterion), in denen Buch geführte wurde und die Athleten in die Theorie eingeführt wurden. Spätestens ab dem Jahre 472 v. Chr. dauerten die Spiele genau fünf Tage an. Am ersten Tag werden die Spiele eröffnet, alle Athleten, Kampfrichter und Zuschauer versammeln sich im heiligen Bezirk Olympias, in dem sich auch u.a. der Zeustempel befindet, legen einen Eid zum Einhalten der Regeln ab. Die Symbolik hat sich bis heute in der Eröffnungsfeier und dem Ablegen des Olympischen Eides für die Athleten und für die Kampfrichter gehalten. Am Nachmittag bestreiten die Knaben (ab 16 Jahre) ihre Wettkämpfe. Am zweiten Tag begannen schon in aller Früh die Wagenrennen im Hippodrom, südlich des Olympiastadion gelegen. Zudem findet später der Fünfkampf statt. Am dritten Tag wird ein Zeusopfer durchgeführt mit 100 Stieren. Langlauf, Stadionlauf und Doppellauf sind die Wettkämpfe an diesem Tag. Tags darauf treten die Athleten zu den verbliebenen Wettbewerben im Ring- und Faustkampf, im Pankration (einer Mischung aus beiden) und Waffenlauf an. Die Siegerehrungen finden am letzten Tag statt. Die Sieger werden ausgerufen und schreiten feierlich, um mit den Ölzweigen vom heiligen Ölbaum, die nach der Legende Herakles aus dem fernen Land der Hyperboreer geholt haben soll, bekränzt zu werden. Den Abschluss der Spiele bildet ein erneutes Dankesopfer.

Antikes Olympia
Das Gelände von Olympia
(in der Mitte der Zeustempel)

Für die Zuschauer war es eine Qual, den Spielen beizuwohnen. Mitten im August war es sehr heiß, die Flüsse führten kaum Wasser, und die Badeanlagen waren nur für Athleten zugänglich. Unterkunftsmöglichkeiten waren nicht vorhanden, lediglich eine Herberge für höhergestelltes Personal. Im Stadion durften keine Kopfbedeckungen getragen werden, neben der sengenden Sonne gestattete sich noch der Gestank des Fleisches der geopferten Tiere hinzu, die nicht verspeist werden durften, zuzüglich der Fliegenplage, Schweiß, Kot, beißende Rauchwolken… es konnte einem da schon schlecht werden.

III. Sportarten und Disziplinen

Faustkämpfer
Faustkämpfer mit Bandagen
(Bronzestatue ~100 v.Chr.)

Wie auch in der Moderne, so entwickelte sich die Liste der ausgetragenen Sportarten bzw. Disziplinen. Wie schon aus dem Fünf-Tages-Verlauf ersichtlich, gab es folgende Sportarten: Laufen, Mehrkampf, Ringen, Faustkampf und Wagenrennen. Im Allgemeinen traten alle Athleten vollkommen nackt an, wie es auch in allen Bildern auf Vasen und Amphoren zu betrachten gibt.
Es gab für die Ursportart des Laufens verschiedene Distanzen, wobei exakte Längen außen vor blieben. Gemessen wurde in Stadionrunden, so gab es einen Stadionlauf (ca. 180 bis 190 m), Doppellauf (2 Runden) und den Langlauf, der über 7 – 24 Stadien gelaufen wurde, umgerechnet zwischen 1.400 m und 4.600 m. Bei einem Fehlstart wurde der entsprechende Läufer ausgepeitscht. Da nur eine gewisse Anzahl an Läufer gleichzeitig antreten konnte, gab es auch schon Ausscheidungsläufe.
Athleten, die im Pentathlon (Fünfkampf) antraten, galten als die schönsten Männer, da dieser Wettkampf die Vielseitigkeit der Athleten prüfte, denn neben Schnelligkeit waren auch Kraft und Gewandtheit gefragt. Der Fünfkampf bestand mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Laufen (wohl ein Stadion), Diskuswerfen, Weitsprung, Speerwerfen und Ringkampf. Der etwa vier bis fünf Kilogramm schwere Diskus wurde drei Mal geworfen, der weiteste Wurf mit einem Pflock gekennzeichnet. Die Weiten, die nicht gemessen wurden, dürften bei etwa 30 m gelegen haben. Beim Speerwerfen galt nicht die Weite, sondern die Treffsicherheit, wobei als Ziel eine Holzsäule oder ein Schild diente. Der Weitsprung erfolgte aus dem Stand mit Hanteln in den Händen, die ein Gewicht zwischen anderthalb und viereinhalb Kilogramm besaßen. Die Sprungweite lag bei ca. 3 m.

Beim Ringkampf, sowohl als Disziplin für das Pentathlon, als auch als eigenständiger Wettbewerb, der zudem zur Erziehung der männlichen Jugend gehörte, galt es den Gegner im Stehen aus dem Gleichgewicht zu bringen oder mindestens auf ein Knie. Wem dies beim Gegner drei Mal gelang, wurde zum Sieger erklärt. Gingen beide zu Boden, mussten die Kampfrichter entscheiden. Der Faustkampf war ein wenig härter. Dort wurde so lange gekämpft, bis einer kampfunfähig war und aufgab. Kristallisierte sich kein Sieger heraus, wurde eine Art Elfmeterschießen durchgeführt. Jeder hatte abwechselnd einen Schlag frei, den der andere nicht abwehren durfte, so lange bis einer zu Boden ging. Zu Beginn trugen Faustkämpfer Bandagen zur Schonung der Gelenke, später wurden sie härter und, mit Hilfe eingeflechteter Eisenstücke, zu regelrechten Schlagringen. Diese Art des Kampfes erinnert an die Leichenspiele von Elis.
Der Pankration oder Allkampf ist eine Mischung aus Ring- und Faustkampf. Die Härte dieser Sportart übertraf alles. Es wurde auch im Boden weitergekämpft und es war alles erlaubt, was den Gegner zur Aufgabe und sich selbst damit zum Sieg verhalf, sei es Gliedmaßen zu brechen oder zu würgen. Totschlag an sich war zwar nicht erlaubt, aber nur milde bestraft, so dass es nicht selten zu diesem Unglück kam. Zwei Mal wurde sogar ein Totgeschlagener zum Sieger erklärt, weil er nicht aufgab und regelrecht bis zum letzten Atemzug gekämpft hatte.
Wagenrennen fanden im Hippodrom statt, jedoch wurden diese erst 680 v. Chr. eingeführt. Das Programm jedoch wurde ständig erweitert um Vier-, Zweigespanne, Maultiere und Fohlen. Meistens wurden jedoch diejenigen als Sieger gekürt, denen die Pferde bzw. Gespanne gehörten und nicht diejenigen, die sie gelenkt hatten und somit leer ausgingen.

IV. Die "Ehre" der Sieger

Den Siegern aus Olympia wurden jedoch viele Ehren zuteil. Neben einer Bildsäule in der Altis, bezahlt von der Heimatstadt des Athleten, gab es große Feste bei der Rückkehr der Ruhmreichen. Teils wurden sogar Stücke von Stadtmauern eingerissen mit der Begründung, dass eine Stadt, die solche Söhne habe, keine Mauern nötig hätte. Finanziell hatte ein Olympiasieger auch ausgesorgt, brauchte keine Steuern zu zahlen, erhielt vielerorts kostenlos Kost und Unterkunft, Ehrenplätzen in Theatern und Unmengen von Geschenken.
Doch er hatte auch einige Pflichten. Von ihm wurde auch bei folgenden Olympiaden die Teilnahme erwartet, wobei sich die Städte gegenseitig überboten, damit er für sie startete. Gerade größere Städte wie Athen, Delphi oder Korinth, boten sich oftmals auf umgerechnet über 10.000 € (damals waren das fünf Talente) hoch. Und gerade im Krieg wurden ihnen die „Ehre“ zuteil, an vorderster Front zu kämpfen.
Der berühmteste Athlet des Altertums war Milon von Kroton, über den viele Anekdoten verbreitet wurden. Unter anderem hatte er soviel Kraft, dass er aus Spaß einen vierjährigen Ochsen auf seiner Schulter herumtrug, ihn mit einem Schlag tötete und vollkommen aß. Er habe täglich 50.000 Kalorien in Form von 17 Pfund Fleisch, 17 Pfund Brot und 10 Litern Wein zu sich genommen, das fünf- bis sechsfache heutiger Schwerathleten. Er war der beste Ringer in der Geschichte der Spiele, von 540 bis 516 v. Chr. wurde er sechs Mal Olympiasieger. Zudem siegte er noch zigfach bei den Isthmischen, Phytischen und Nemeischen Spielen. Ein von ihm erzeugtes Standbild in Lebensgröße habe er dann zu seinen Ehren selbst in die Altis getragen und aufgestellt. Der bedeutendste Läufer war Leonidas von Rhodos, der in vier Olympiaden jedes Mal die Siege im Stadion-, Doppel- und Waffenlauf errang. Als Heilgott verehrte wurde nach seinem Tod der 480 und 476 erfolgreiche Faustkämpfer und Pankratiast Theogenes von Thasos. Das Geschlecht der Diagoriden aus Rhodos hingegen hat über drei Generationen hinweg von 464 bis 404 v. Chr. Olympiasieger in den athletischen Disziplinen hervorgebracht und war auch politisch auf der Insel führend.